Welche Yoga-Stile, welche anderen Disziplinen und Einflüsse prägen deinen Unterricht?
Ich unterrichte modernen Hatha Yoga, dogmafrei und mit lebendigen Einflüssen verschiedener Yogastile. Ich lehre eine präzise, achtsame und gesunde Asanapraxis. Vollkommen wird die Yoga-Praxis für mich aber erst durch die Innenschau, durch intensives Spüren und Erleben, vor allem auf mentaler und emotionaler Ebene. In meinem Unterricht finden sich daher auch Elemente aus der Achtsamkeits-Praxis sowie Meditationen und Reflexionen aus der buddhistischen Tradition. Und aus meinen Anfangsjahren im Sivananda Yoga stammt meine Liebe zum Pranayama und vor allem zum Bhakti Yoga. Singen und Musizieren sind für mich die direktesten Wege zum Herzen.

Warum unterrichtest du Yoga?
Yoga hat mir geholfen, in einer schwierigen Phase meines Lebens in meine Kraft und meine Kreativität zurückzufinden. Zerrupft von äußeren Einflüssen, hat es mich wieder eins werden lassen, mich innerlich zentriert, mich geheilt und Energien geweckt, die mir die Kraft gegeben haben, Altes hinter zu mir lassen und neue Wege zu gehen. Diese Erfahrung weitergeben zu dürfen und anderen Menschen zu helfen, Belastendes abzuwerfen und ihr inneres Potenzial zu entfalten, erlebe ich in jeder Minute meines Tuns als zutiefst sinnvoll.

Beschreibe jemandem, der noch nie Yoga praktiziert hat, deine Art, Yoga zu unterrichten
Natürlich geht es in meinem Unterricht auf körperlicher Ebene um Dehnung und Öffnung sowie Kräftigung und Stärkung. Und natürlich geht es auf mentaler und emotionaler Ebene darum, zur Ruhe kommen und die Spannungen des Alltags loszulassen. Letztlich sind dies aber nur Methoden. Im Kern geht es mir darum, einen Weg zum Herzen zu bahnen: sich spüren und öffnen, in Kontakt mit sich kommen. Sich (wieder) zu lieben, andere (wieder) wertzuschätzen. Dieser Weg ist fordernd und sanft, ernsthaft und fröhlich, laut und leise, geleitet und frei.

Erinnerungen an meine erste Stunde als Schüler

Die ersten Minuten im Jahr 2002 in einem Schnupperkurs waren geprägt von der Einsamkeit eines jungen Mannes unter 15 Frauen und dem muffigen Teppich im Yogaraum, der meine Hausstaub-Allergie zum Blühen brachte. Ganz davon abgesehen, dass ich stocksteif war. Die Liebe auf den zweiten Blick war dann aber um so intensiver. Nach 90 Minuten wusste ich, dass ich angekommen war. Mein krisengeschütteltes Berufsleben war vergessen und bald überwunden. Heute ist Yoga für mich weit mehr als nur ein wohltuendes Hobby oder meine berufliche Existenz. Yoga ist für mich eine Lebensweise, die mich innerlich zentriert, die mich aufrichtet, die mir Ruhe gibt. Yoga ist ein Weg, den ich noch sehr lange gehen werde.

Dein Kraftort?

Mein Meditationskissen – an jedem beliebigen Ort dieser Welt.

Worum geht es im Leben?

Auf gesellschaftlicher Ebene: Um ein respektvolles Miteinander. Um gegenseitige Achtung und Aufmerksamkeit. Darum, die Schwächsten unserer Gesellschaft nicht zu vergessen. Verantwortungsbewusst mit unserer Natur umzugehen. Um die Erkenntnis, dass wir die Welt nur verändern können, wenn wir uns selbst verändern. Auf persönlicher Ebene: Frei sein. Frei bin ich nach meiner Auffassung, wenn ich selbstmächtig darüber entscheide, wie ich mein Leben, wie ich jeden einzelnen Tag gestalte. Wenn ich lerne zu erspüren, was mich antreibt, wann ich in meinem Element bin und mir erlaube, diesem Impetus zu folgen. Ich bin frei, wenn ich mein Leben auf meinen Werten aufbaue und nicht auf den Werten, die mir andere vorsetzen. Wenn ich eine klare, aber dynamische Haltung habe, anderen Menschen und ihren Meinungen gegenüber. Ich bin frei, wenn ich mich akzeptiere, wie ich bin und wenn ich andere, so annehme, wie sie sind. Wenn ich ohne Angst durchs Leben gehe. Wenn ich keine Rolle spielen, keine Maske tragen muss, wenn ich so sein darf, wie ich glaube, dass ich es bin. Yoga und Meditation haben mich hierher geführt.